Gespräch · Entsetzliche Krawatte
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Bratan, stoß mich nicht weg. Ich möchte für dich da sein. Außerdem – wie kannst du dir sicher sein, dass nicht du eine Ausgeburt meiner Phantasie bist?
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Aber, Bratan … Ich … Ich verstehe. (Die Krawatte lockert sich um deinen Hals.) Ich wollte nur, dass du Spaß hast. Ich … Ich wollte dir niemals zur Last fallen.
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Krawatte, zwischen uns beiden ist es aus. Sowohl beruflich – als auch freundschaftlich. Hinfort mit dir! (Du vernichtest die Krawatte.)
Die leblose Krawatte sieht aus wie der bunte Darm eines toten Tieres: ölig, fremd und auch sonst ekelhaft. Was könnte einen Mann dazu gebracht haben, etwas so Abscheuliches um den Hals zu tragen?
Nein, Bratan, das ist unnötig. Du und ich, wir sind Bratannoi – Brüder. Brüder streiten. Und wenn sie mit Streiten fertig sind, weißt du, was sie dann machen? Sie gehen feiern. Sie gehen verdammt noch mal feiern!
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Zuerst die Spirituose – die blaue Heilspirituose. Nimm die Flasche und entkorke sie! Es ist an der Zeit, die andere Welt zu entfesseln.
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- Nein, Bratan, das ist unnötig. Du und ich, wir sind Bratannoi – Brüder. Brüder streiten. Und wenn sie mit Streiten fertig sind, weißt du, was sie dann machen? Sie gehen feiern. Sie gehen verdammt noch mal feiern!
- Oh … Du wirst schon sehen. (Es fühlt sich an, als würde sich die Krawatte wie eine läufige Katze an deinem Brustkorb reiben.)
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- Weißt du was, ich bin fertig mit diesem verrückten Sprechende-Krawatte-Quatsch!
- Moment, jetzt sofort? Gerade ist eine Frau gestorben, und du meinst, jetzt sei eine gute Zeit zum Feiern?
- Moment, jetzt sofort? Ruby ist fort. Ich finde eigentlich nicht, dass es gerade irgendetwas zu feiern gibt.
- Du entkorkst langsam die blaue Heilspirituose.
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- Pssst-pssst, Bratan, jetzt ist nicht die Zeit zum Feiern, jetzt ist die Zeit, sich vorzubereiten. Das kannst du mir glauben. Das ist es, worauf alles hingearbeitet hat. Es wird aus dem Ruder laufen. Aus allen Rudern.
- Weiter
- Warum sollte der Tod nicht gefeiert werden? Und überhaupt, darum geht es noch nicht einmal. Du hast keine Ahnung, worum es hier geht … Es wird aus dem Ruder laufen. Aus allen Rudern.
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- Pssst-pssst, Bratan, jetzt ist nicht die Zeit zum Feiern, jetzt ist die Zeit, sich vorzubereiten. Das kannst du mir glauben. Das ist es, worauf alles hingearbeitet hat. Es wird aus dem Ruder laufen. Aus allen Rudern.
- Weiter
- Warum sollte der Tod nicht gefeiert werden? Und überhaupt, darum geht es noch nicht einmal. Du hast keine Ahnung, worum es hier geht … Es wird aus dem Ruder laufen. Aus allen Rudern.
- Aber, Bratan … nein. Bitte entkorke sie. Ich kann alles wiedergutmachen.
Die Flasche öffnet sich mit einem stummen, geheimnisvollen Zischen. Die Dämpfe, die ihr entweichen, sind so frisch wie die Nordwinde.
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Ein Heulen in der Ferne, die Promenade von Salzwasser und Regen gepeitscht – eine uralte Wärme kriecht dir unter die Haut.
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Bratan, habe ich dich je angelogen? Nimm mich einfach ab. (Die Krawatte zieht aufmunternd an deinem Hals.)
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Deine Finger schaffen es, den öligen Knoten zu lösen, und die Krawatte gleitet herunter. Sie sieht so zerbrechlich aus, wie sie da in deiner Hand liegt, nahezu ohne Gewicht.
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Hinfort mit dir, garstige Krawatte! Endlich werde ich dich los! (Du beendest es. Du wirfst die Krawatte so weit, wie du kannst.)
Der ölige Lumpen flattert kläglich in der Luft und landet in der Nähe im Dreck. Er sieht aus wie ein unbeseelter Gegenstand, aus dem jegliches Leben gewichen ist.
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Vertrau mir – vertrau mir einfach. Du und ich, wir werden so viel Spaß miteinander haben, dass es eigentlich verboten sein müsste!
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Steck mich einfach in die Flasche, Bratan. Ich werde dich nicht enttäuschen. Du und ich, wir sind sozusagen ein und dieselbe Person.
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Als die Krawatte in die reinigende Flüssigkeit gleitet, lösen sich große Fettflecken von ihr und schwimmen an die Oberfläche. Dort lösen sie sich schnell auf und verschwinden vollständig.
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Durch das Feuer der blauen Spirituose aus 98,7 % reinem Alkohol gereinigt, sieht der Stoff fast wieder wie neu aus. Nicht mehr wie ein ekelerregender Wurm des unteren Darms, sondern wie eine farbenprächtige und tödlich giftige Seeschlange des Insulindischen Ozeans.
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Die Krawatte treibt mit fast überirdischer Anmut in der bläulichen Flüssigkeit.
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Wie eine organische Probe, entnommen in einem fernen Sternensystem, das von empfindungsfähiger Halsbekleidung besiedelt ist.
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Er gibt sich alle Mühe, nichts zu sagen, scheint es aber schließlich nicht mehr auszuhalten.
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„Ich muss einfach fragen …“, sagt er, einen seltsamen Blick in den Augen. „Was machen Sie da?“
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- „Kümmern Sie sich um Ihren eigenen Scheiß, Binoclard!“
- „In meiner Familie steckt man ein Stückchen Kleidung in eine Flasche, wenn jemand stirbt, als Zeichen ewigen Respekts.“
- „Okay, Kim … Eigentlich wollte ich niemandem davon erzählen, aber in letzter Zeit hat meine Krawatte mit mir gesprochen.“
- „Ich weiß es auch nicht genau, aber ich will es unbedingt herausfinden.“
- „In meiner Familie steckt man ein Stückchen Kleidung in harten Alkohol und trinkt es als Glücksbringer. Es ist ein bisschen albern, aber es schadet auch nichts, oder?“
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„In Ordnung.“ Das Gesicht des Lieutenants verhärtet sich, als er sich zur Straße vor sich umdreht. „Ich werde nicht noch mal fragen.“
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„In meiner Familie steckt man ein Stückchen Kleidung in eine Flasche, wenn jemand stirbt, als Zeichen ewigen Respekts.“
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„Das ist absolut sinnfrei.“ Er überlegt einen Moment. „Aber ich schätze, jede Familie hat ihre eigenen Traditionen.“
„Vertrödeln wir lieber keine Zeit. Wir haben einen Riesenschlamassel aufzuklären.“ Er dreht sich zur Straße vor sich um.
„Okay, Kim … Eigentlich wollte ich niemandem davon erzählen, aber in letzter Zeit hat meine Krawatte mit mir gesprochen.“
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„Eine Beziehung zwischen einem Mann und einer sprechenden Krawatte? Nein, anscheinend fehlt mir dafür die Aufgeschlossenheit.“ Seine Stimme ist voller unaufrichtiger Traurigkeit, als er sich zum Gehen umdreht.
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„Aha. Gut. Jedenfalls freue ich mich, dass Sie mir erzählt haben, dass Ihre Krawatte mit ihnen gesprochen hat. Das kann nicht leicht gewesen sein.“ Für einen Moment sieht es so aus, als wolle er noch etwas hinzufügen …
Wir stehen alle unter Stress. Das Ganze entwickelt sich zu einem riesengroßen Schlamassel. Ich sage ja gar nichts – reiß dich nur zusammen.
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… aber dann wendet er sich ab – sein Blick fixiert auf die Straße vor ihm. „Gehen wir“, schließt er.
Kartenpunkte
1- Beobachtung · MartinaiseBeobachtungDialoge · 1