Lesestoff
Buch „Sechzehn bitterkalte Tage im April“
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Du starrst auf den nun vertrauten schwarzweißen Regenbogen. Das Buch fühlt sich schwer an.
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In kalter, distanzierter Prosa beschreibt die Autorin eine Szene aus einer der Unruhen im Jugo-Graad der Zwanzigerjahre. Jugendliche kippen Motorwagen um und setzen Mülltonnen in Brand, während schwer gepanzerte Gardisten herbeistürzen und sie mit Schlagstöcken zerstreuen …
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Die Unruhen in Jugo-Graad fanden zwischen den Jahren 27 und 29 statt, angeheizt durch ethnische Aufstände und die Repressionstaktiken des Staates. Diese Ereignisse werden oft als das Ende einer kurzen Periode der Liberalisierung angesehen, die als der Jugo-Graader Frühling bekannt ist. Wie bei derartigen Perioden üblich, wurde sie häufig in Kunst und Literatur verewigt.
Während der ethnische Konflikt anschwillt, trifft sich ein junges Liebespärchen auf der Straße. Trotz des Chaos, das sie umgibt, gelingt es ihnen, sich in die Arme zu fallen und einander in die Augen zu sehen.
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Es würde dir körperlich weh tun, weiterzulesen. Bist du dir sicher?
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Scheiß drauf. Lies weiter. Es kann nicht schlimmer sein als das, was du bereits gespürt hast.
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Sie haben eine kurze, etwas missliche Liebesaffäre, und am Ende verraten sie einander schließlich und versinken in der Absurdität des Alltags in Graad. Der Mann wird Linsenschleifer und lässt seine Vergangenheit ganz hinter sich …
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Er quält sich täglich im Polyfabrikat von Lenka. Sein ganzes Leben hat er weder Glück noch Erfüllung gefunden, und am Ende … bleibt ihm nichts übrig, als sich der Arbeit zu widmen.
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Sie verbringt die nächsten Jahrzehnte an einem Förderband in einer Fischaufbereitungsanlage in Sosnowor. Der Geruch von Fischinnereien durchdringt ihre Haare und ihre Haut … bis jeder ihrer Träume nach und nach stirbt.
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Die Erinnerung an die kurze gemeinsame Zeit quält die ehemaligen Liebenden unaufhörlich, bis ans Ende ihrer Tage … Sie verbringen die Jahre in Einsamkeit, und ihre Körper werden zunehmend schwächer.
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Als den Wracks zwischen den schmutzigen Laken das Leben entweicht, sind ihre letzten Gedanken voller Reue.
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Werter Herr, Sie haben heute die richtigen Lebensentscheidungen getroffen.
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Auf diesem Foto kann sie nicht viel älter als Mitte dreißig sein, und doch blicken dich von diesem Einband die Augen einer traurigen, alten Frau an.
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In deinen Händen hältst du Sechzehn bitterkalte Tage im April von Jekartina Dahl. Das Titelbild zeigt eine Reihe von Betonwohnungen, über denen sich ein schwarzweißer Regenbogen spannt.
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In der Tat. Das Buch liegt ungewöhnlich schwer in deinen Händen, als ob der Einband mit Blei ausgekleidet wäre …
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Du blätterst dich durch das Buch. Die Seiten sind dünner als angenommen, und die Schrift ist recht klein und eng gewählt. Es ist fast sechshundert Seiten lang.
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Echte Kunst ist dicht und komplex. Wenn es sich nicht anfühlt, als müsstest du mit einem lebensmüden Bären ringen, um es durchzustehen, kann man es nicht Lesen nennen.
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Ihr Glück ist vergänglich. Ein grausamer Scherz. Die Absurdität des Staates erdrückt sie, und am Ende verraten sie sich gegenseitig. Sie wird eine Beamtin des „Regimes“ und er ein Linsenschleifer in Ferdydyrke. Ende.
Zu Beginn des Buches brechen in Jugo-Graad ethnische Unruhen aus. Fenster und Briefkästen werden zertrümmert, Motorwagen überschlagen sich und werden in Brand gesteckt …
Schwarzer Qualm hängt über dem Kopfsteinpflaster, das mit rotgrauen Bluttropfen befleckt ist. Militante Gardisten in schwerer Kampfmontur wurden herbeigerufen, um die Aufstände unter Kontrolle zu bringen …
Während der ethnische Konflikt anschwillt, trifft sich ein junges Liebespärchen auf der Straße. Trotz des Chaos, das sie umgibt, gelingt es ihnen, sich in die Arme zu fallen und einander in die Augen zu sehen.
In unerträglicher Ausführlichkeit beschreibt die Autorin die sozioökonomischen Bedingungen, die dazu führten, dass die Bevölkerung Jugo-Graads sich auf die Straße begab – Jahrhunderte der Erniedrigung und Verzweiflung. Doch dann treffen inmitten dieser Unruhen zwei junge Menschen aufeinander …