Gespräch · Reiterdenkmal
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Das rings um das alte Denkmal errichtete Baugerüst ist wieder abgebaut worden. Stattdessen erblickst du das Resultat deiner Anstrengungen. Weiterhin sorgen zahlreiche Stangen und Seile dafür, dass die künstlerisch-schöpferische Neumontage nicht zusammenbricht.
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- Ein altes Denkmal steht inmitten einer Fußgängerinsel und zeigt in Richtung Meer. Das Pferd und der Reiter scheinen gegen die strahlend bunten Leitungen und Spiralkabel zu kämpfen.
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- Der König ragt über dir auf. Er blickt auf die Bucht hinaus – schweigend und ohne Interesse an dem zu zeigen, was du siehst.
- „Sieht so aus, als hätten sich die Studenten Ihren Rat zu Herzen genommen, Detective.“
- Ein altes Denkmal steht inmitten einer Fußgängerinsel und zeigt in Richtung Meer. Die gesamte Skulptur ist mit strahlend bunten Leitungen und Spiralkabeln umwickelt. Dort, wo der Kopf des Pferdes sein sollte, sind nur noch verbogene Bewehrungsstäbe übrig.
- Nicht, dass es ihn zu Lebzeiten je interessiert hätte.
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- Ein altes Denkmal steht inmitten einer Fußgängerinsel. Es ist von einem wild zusammengezimmerten Baugerüst umgeben.
- Das rings um das alte Denkmal errichtete Baugerüst ist wieder abgebaut worden. Stattdessen erblickst du das Resultat deiner Anstrengungen. Weiterhin sorgen zahlreiche Stangen und Seile dafür, dass die künstlerisch-schöpferische Neumontage nicht zusammenbricht.
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- Ein altes Denkmal steht inmitten einer Fußgängerinsel und zeigt in Richtung Meer. Es wirkt, als sei es Stück für Stück wieder zusammengesetzt, abgesichert und dort oben mit Hilfe von zahlreichen Seilen und Stangen montiert worden.
- Als du nach oben siehst, fällt dir an der Statue etwas auf. Auf dem Brustteil des Königs befinden sich einige seltsame Einkerbungen …
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- Das skurrile bronzene Ebenbild von Filippe III. starrt trotzig gen Himmel.
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Selbst nach den Maßstäben der filippischen Könige galt Filippe der Opulente als außergewöhnlich lasterhaft.
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Tja, er leerte die ganze Staatskasse und löste den Niedergang einer der größten Supermächte des vorletzten Jahrhunderts aus: des Suzeräns Revachol …
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Seine eigene Misswirtschaft ließ den Sturz der Monarchie während der Revolution zur Jahrhundertwende, das Ende seiner Abstammungslinie und das der Monarchie auf der insulindischen Isola erahnen.
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Na gut, ich habe noch andere Fragen. (Du verhinderst, dass sich noch mehr Fakten über dich ergießen.)
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Geschichten zufolge ließ er sein Schlafzimmer zu einer Schatzkammer umbauen, wo er unermessliche Reichtümer zusammentrug: Krugerrand, Goldbarren, kunstvolle Waffen, Rüstung und verschiedene Kelche.
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Er nannte es das Sol Aurum. Es war obszön. Gerüchten zufolge schlief er auf einem riesigen Haufen in Gold getauchter Federn – wie ein fetter Drache – statt in einem Bett, wie ein normaler Mensch.
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Der alte Filippe war nämlich nicht nur gut darin, Staatsgelder für Gold und zeremonielle Waffen auszugeben. Er liebte auch Schnee über alle Maßen.
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Und zwar nicht nur irgendwelchen Schnee. Wir reden hier von königlichem filippischen Kokain – angeblich doppelt so wirkungsvoll wie das Zeug, das man heute bekommt. Und violett – das filippische Kokain war violett.
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Im kalten Wasser der insulindischen Bucht, in dem die Revolutionäre ihn versenkten, nachdem sie das königliche Mausoleum leer geräumt hatten.
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Eine Marmorgruppe von Trauernden umgibt noch das vandalisierte Mausoleum des Königs … Ein eiskalter Wind fegt Bonbonpapiere und alte Zeitungen weg.
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Das Original wurde von Kommunarden in die Luft gejagt. Es erlitt dann weiteren Schaden, als die Luftschiffe der Koalition während der Revolution zur Jahrhundertwende landeten. Als Martinaise dem Erdboden gleichgemacht wurde.
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Die meisten Historiker glauben, dass die überstürzte Landung der Koalition die Statue letztendlich gerettet hat: Hätten die Kommunarden mehr Zeit gehabt, hätten sie die Statue sicher in noch kleinere Einzelteile zerlegt.
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Vor ein paar Jahren dachte eine Gruppe liberaler, künstlerisch veranlagter Personen (hauptsächlich Designer), dass es ironisch wäre, die Statue des verschwenderischsten Herrschers von Revachol im ärmsten Viertel der Stadt wieder aufzubauen …
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Die Statue soll an den Augenblick erinnern, an dem sie in die Luft gejagt wurde, wie eine Sekunde, in der die Zeit stillsteht. Ein seltener Schmetterling, eingeschlossen in Bernstein, der über einem Meer der … Scheiße schwebt.
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Das geht den Bewohnern von Martinaise genauso. In einem Stadtviertel, in dem hauptsächlich linksgerichtete Leute der Arbeiterklasse leben, ist die Statue durchaus umstritten.
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Es ist aber möglich, dass die Kritiker sich irren. Da steckt mehr dahinter als nur ‚Ironismus‘ … Du weißt nur nicht genau, was. Vielleicht wird sich dieses Kunsträtsel später klären?
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- Das geht den Bewohnern von Martinaise genauso. In einem Stadtviertel, in dem hauptsächlich linksgerichtete Leute der Arbeiterklasse leben, ist die Statue durchaus umstritten.
- Die Bewohner von Martinaise sehen das ganz ähnlich, genau wie viele prominente Kunstkritiker und Intellektuelle, die ein nuancierteres soziales Bewusstsein als die jungen Ironiker haben.
- Die Bewohner von Martinaise sehen das etwas anders, genau wie viele prominente Kunstkritiker und Intellektuelle, die ein nuancierteres soziales Bewusstsein als die jungen Ironiker haben.
Aber Filippe III., der Verschwender, reckt sein bronzenes Antlitz gen Himmel und scheint sich nicht darum zu kümmern, was der Pöbel nach seinem Tod über ihn denkt.
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Die Bewohner von Martinaise sehen das etwas anders, genau wie viele prominente Kunstkritiker und Intellektuelle, die ein nuancierteres soziales Bewusstsein als die jungen Ironiker haben.
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Die Bewohner von Martinaise sehen das ganz ähnlich, genau wie viele prominente Kunstkritiker und Intellektuelle, die ein nuancierteres soziales Bewusstsein als die jungen Ironiker haben.
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So nannten es die Revolutionäre – 150 Jahre später. Kurz bevor sie das königliche Mausoleum leer räumten und die sterblichen Überreste seiner Majestät in der insulindischen Bucht versenkten.
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Das ist Diffamierung. Der König war schön und gerecht. Die Revolutionäre haben sich das nur ausgedacht.
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Die Höflinge seiner Majestät behaupteten, dass es ihm helfen würde, mit höheren Sphären in Kontakt zu treten.
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Je mehr du dich fragst, desto weniger weißt du. Aber eins steht fest: Du hast einen Hirnschaden. Das ist eine ernste Sache. Und permanent.
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Was er gemacht hat? Du weißt nicht mal, was du vor einer Woche gemacht hast! Woher solltest du wissen, was dieser Typ vor vielen Jahrhunderten gemacht hat?
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Hoch über dir thront der König triumphierend und ahnt nichts von deinen Gedächtnisproblemen.
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Auf einer silbernen Plakette am Sockel der Statue steht: „Ich bin Filippe III., der Verschwender, der größte aller filippischen Könige Revachols; Sohn von Filippe II., dem Opulenten; Vater von Filippe IV., dem Irren.“
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Du reißt das Plakat zur Seite, das auf dem Sockel der Statue klebt. Auf der Plakette darunter steht: „Ich bin Filippe III., der Verschwender, der größte aller filippischen Könige Revachols, Sohn von Filippe II., dem Opulenten, Vater von Filippe IV., dem Irren.“
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Als du nach oben siehst, fällt dir an der Statue etwas auf. Auf dem Brustteil des Königs befinden sich einige seltsame Einkerbungen …
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Unzählige Metallrohre und Bretter ragen in seltsamen Winkeln heraus. Eine mitgenommene Abdeckplane, die in der kalten Küstenluft flattert, verhüllt Pferd und Reiter …
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Du siehst weder Leuchttafeln, die deinen Namen anzeigen, noch von oben herabblickende Arbeiter mit schwieligen Händen – bloß aufgetürmtes Baumaterial, das deine unangebrachten Träume zu beweinen scheint.
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Trotzig blickt der alte König nach Westen. Das behelfsmäßige Baugerüst, das ihn umgibt, wirkt wie eine Gruft …
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Hier ist nicht einmal ein Hauch von Künstlertum zu spüren! Es ist noch schlimmer, als ich erwartet hatte.
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Dieser Hurensohn hat dich reingelegt! Vermutlich, um sich über dich lustig zu machen …