Gespräch · Putzfrau
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„Irgendein Gestörter hat den Verstand verloren … In diesen Gängen verkehren alle möglichen Idioten.“
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Die Zimmer sind unglaublich klein – hättest du nicht auch das Verlangen, die Wand einzureißen?
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„Unmöglich“, entgegnet die Putzfrau und schüttelt den Kopf. „Wenn da jemand eingezogen wäre, wüsste ich das.“ Sie hält inne und blickt den Gang hinunter.
„Vielleicht sind es wieder diese Gegenkulturfritzen? Brechen in unser Haus ein, als ob es öffentlicher Raum wäre … Sie sind Polizist – seien Sie so nett und schauen Sie nach, ja?“
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„Sehr schön. Junge Leute sind schlimmer als Ratten, wissen Sie? Ständig vermüllen sie die Gänge mit wertlosem Kram und leeren Bierdosen …“
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„Woher zum Teufel soll ich das wissen?“ Die Putzfrau zuckt mit den Schultern. Ihre gekräuselten Lippen erinnern an eine getrocknete Feige. „Wieder so ein Durchgeknallter, nehme ich an.“
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Sie murmelt eine Art Antwort und befördert dann mit einem trockenen Husten etwas in ihr Taschentuch.
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Vermutlich ist die Person einfach umgezogen oder – hoffentlich irgendwo anders – gestorben.
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„In Wohnung 10 habe ich keine, ähm, Anhänger der Gegenkultur angetroffen – nur eine Immobilienmaklerin, die damit beschäftigt war, das Zimmer für neue Mieter vorzubereiten.“
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„Verstehe …“ Sie holt ihr Taschentuch hervor und putzt sich die Nase. „Ich hoffe, es ziehen endlich ein paar anständige Leute ein. Die wären hier dringend nötig.“
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- „Es kommt niemand. Es wird nichts als moralische Verkommenheit herrschen, wenn wir nicht anfangen, Immobilienmakler zu töten.“
- „Lockere Mädchen und sexuelle Abweichler. Solche Leute werden kommen.“ (Du spuckst aus.)
- „Ja. Ein paar hochtechnologische Zauberer werden diesen Ort retten und in ein visionäres Utopia der Innovationen verwandeln.“
- „Ja. Die Funkcomputerzauberer kommen. Sie werden den Ort – und die Wirtschaft – retten.
- „Ich bin sicher, dass alles gut wird. Dieses Wohngebäude benötigt einen langsamen Wandel. Er muss sich so langsam vollziehen, dass man ihn gar nicht bemerkt.“
„Es kommt niemand. Es wird nichts als moralische Verkommenheit herrschen, wenn wir nicht anfangen, Immobilienmakler zu töten.“
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„Wir töten niemanden. Und Sie sollten so etwas nicht sagen. Sie sind Polizist … Es ist schon genug getötet worden. Ich habe das Morden gesehen …“ Sie hustet.
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„Ja, solche Gestalten kenne ich. Hier hatten wir auch schon ein paar, aber sie schaffen es nie, ihre Miete zu bezahlen. Also müssen sie wieder ausziehen. Ich kenne solche Gestalten …“ Sie hustet.
Sie weiß deine Bemühungen zur Eindämmung von Perversion und Lockerheit zu schätzen.
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„Ja. Ein paar hochtechnologische Zauberer werden diesen Ort retten und in ein visionäres Utopia der Innovationen verwandeln.“
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„Oh, ich mag Zauberer“, pflichtet sie ernsthaft bei. „Und solche Leute im Allgemeinen. Sie können uns viel über unser Schicksal verraten …“
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„Ich bin sicher, dass alles gut wird. Dieses Wohngebäude benötigt einen langsamen Wandel. Er muss sich so langsam vollziehen, dass man ihn gar nicht bemerkt.“
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„Ja, also …“ Sie weiß nicht recht, was sie sagen soll, also hustet sie bloß und wiederholt: „Ich hoffe, es sind anständige Leute.“
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„Wenn man das ‚wohnen‘ nennen kann …“ Sie spuckt auf den Fußboden und wischt dann mit dem Besen darüber. „Ich habe ein kleines Zimmer oben, direkt neben der Kohlenkammer.“
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„Es ist kaum größer als ein Abstellraum, aber ich will mich nicht beklagen, nein …“ Sie schiebt ihr Kinn vor, ihre Augen glänzen. „Mein Bett und meine müden Knochen leisten mir Gesellschaft, und mehr brauche ich nicht.“
Und mehr bekommt sie auch nicht. Draußen peitscht der Küstenwind hart gegen die Tür der Kohlenkammer. Der Balkon ist rutschig vom Spritzwasser der Wellen.
Sie hat eine Weile mit niemandem gesprochen. Selbst ihre Sätze klingen eingerostet.
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„Ich suche Billie Méjean. Wissen Sie, wo sie wohnt?“
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„Es geht um Victor, oder?“ Ihre blassen grauen Augen werden schmal. „Bei ihr geht es immer um Victor … Méjeans wohnen oben in Wohnung 20. Es ist eine der Türen auf dem Balkon.“
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„Ich suche nach einem jungen Mann, Mitte zwanzig, dunkles Haar, dünn. Er raucht auf dem Balkon.“
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„Einen jungen Mann suche ich, Mitte zwanzig, dunkles Haar, dünn. Er raucht auf dem Balkon. Wissen Sie, wo er wohnt?“
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„Jaja. Ich weiß, wen Sie meinen. Diesen dürren Jungen, der eine Kippe nach der anderen raucht, oder?“ Sie blickt zum anderen Ende des Ganges.
Irgendwo im Gebäude beginnt ein Kind zu weinen. Du hörst ein Radio, in dem eine Talkshow läuft, und jemanden, der duscht.
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„Er ist nicht in Schwierigkeiten, ich möchte mich nur mit ihm unterhalten. Wissen Sie, wo er wohnt?“
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„Unterhalten!“ Die Putzfrau bricht in Lachen aus, bekommt dann jedoch einen schweren Hustenanfall. Sie klammert sich fest an ihren Besen und versucht, zu Atem zu kommen.
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„Er wohnt oben in Wohnung 28. Gehen Sie auf den Balkon. Es ist eine der Türen dort“, sagt sie und zeigt nach Osten. „Abends ist er meistens zu Hause.“
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„Danke.“ Er wendet sich an dich. „Wir sollten über den Balkon zu seiner Wohnung gehen und nachschauen, ob er zu Hause ist.“
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„Eigentlich wird er nicht wegen Mordes gesucht. Wir wollen uns nur mit ihm unterhalten.“
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„Wegen Mordes!“ Die Putzfrau bricht in Lachen aus, bekommt dann jedoch einen schweren Hustenanfall. Sie klammert sich fest an ihren Besen und versucht, zu Atem zu kommen.
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„Ich würde ja darauf wetten, dass Sie den Falschen suchen. Allerdings haben Sie so oder so kein Glück, Herr Polizist – ich habe gesehen, wie er, kurz bevor Sie hereingekommen sind, das Gebäude verlassen hat.“