Gespräch · Eine kurze Einführung in den Inframaterialismus
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Einen Augenblick lang betrachtest du den verstörenden Strudel aus Orange, Gelb und Grün auf dem Buchdeckel.
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- Du blätterst zum Inhaltsverzeichnis. Das Buch ist in mehrere Abschnitte mit scheinbar esoterischen Titeln wie „Auswirkungen von Plasma auf Wurzelgemüse“ und „Mentale Projektion und Transferenz“ unterteilt. Außerdem enthält es einen kurzen Überblick über das Leben von Ignus Nilsen.
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- Das Buch passt genau in deine Handfläche. Auch in einer Jackentasche fände es bequem Platz.
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Wie die meisten Leute glaubst du wahrscheinlich, dass deine Gedanken in deinem Gehirn zu Hause sind, nicht wahr?
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Das stimmt aber überhaupt nicht. Gedanken befinden sich nicht im Gehirn, sie schweben durch die Luft! Dein Gehirn ist nur ein Fisch, der durch sie hindurchschwimmt …
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Sehr interessant. Und ziemlich nahe dran an den Theorien von Ignus Nilsen …
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Als Masows getreuer Freund und leitender Theoretiker war Nilsen dafür zuständig, den Großteil des intellektuellen Fundaments für den Kommunismus zu entwickeln. Aber seine Interessen und Spekulationen waren bekanntlich sehr divers.
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- Falsch! Jedenfalls laut Ignus Nilsen …
- Es gibt keinerlei Beweise dafür, dass sich das kognitive Zentrum im menschlichen Verdauungstrakt befindet. Aber kommen wir wieder auf Ignus Nilsen zurück, ja?
- Das ist wohl eher eine Angelegenheit für einen Psychiater. (Siehe: „Eine kurze Einführung in die Psychiatrie“.) Aber bleiben wir kurz bei Ignus Nilsen …
- Bei manchen entwicklungsverzögerten Kindern ist es normal, dass sie Sinneseindrücke mit Kognition verwechseln. Aber kommen wir wieder auf Ignus Nilsen zurück, ja?
- Sehr interessant. Und ziemlich nahe dran an den Theorien von Ignus Nilsen …
Während seiner letzten Jahre im Exil veröffentlichte er unter anderem eine der ersten Anleitungen zum Hausbrauen, Tipps zur Erziehung revolutionärer Kinder, Pläne für eine piktographische Universalsprache und eine detaillierte materialistische Kritik zu Dolores Deis Schachstrategie.
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Ein waschechter Intellektueller, der mit allen doloresianischen Universalgelehrten mithalten konnte.
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Aber ein Thema, auf das er immer wieder zurückkam, war der fundamentale Zusammenhang zwischen Gedanken und Materie …
„Vielleicht stellt sich in Zukunft heraus“, schrieb er in seinen Notizen, „dass unter gewissen außergewöhnlichen Umständen die Akzeptanz des historischen Materialismus vonseiten des Proletariats derart inbrünstig ausfällt, dass seine Überzeugungen als revolutionäres ‚Plasma‘ in der Welt der Materie Gestalt annehmen.“
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- „Vielleicht stellt sich in Zukunft heraus“, schrieb er in seinen Notizen, „dass unter gewissen außergewöhnlichen Umständen die Akzeptanz des historischen Materialismus vonseiten des Proletariats derart inbrünstig ausfällt, dass seine Überzeugungen als revolutionäres ‚Plasma‘ in der Welt der Materie Gestalt annehmen.“
- Natürlich. Im Grunde argumentiert Nilsen, dass Gedanken sich nicht einfach nur im Gehirn befinden, sondern vom Gehirn ausströmen. Seiner Theorie zufolge ist das Gehirn ein ideologischer Transponder, der unaufhörlich Wellen hochpolitisierter Energie absondert, welche Nilsen „Plasma“ nannte.
Genau! Doch das war noch nicht alles. Nilsen spekulierte ferner, dass dieses Plasma auf die materielle Realität um sich herum Einfluss nehmen könnte, wenn es denn mächtig genug würde. Daher auch der Name: Inframaterialismus.
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Leider verstarb Nilsen, bevor er diese skizzenhaften Ideen zu einer umfassenden Theorie weiterentwickeln konnte. Das war dann den nachfolgenden Generationen kommunistischer Theoretiker überlassen …
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- Bitte bleib noch etwas dabei. Das war noch nicht alles. Nilsen spekulierte ferner, dass dieses Plasma auf die materielle Realität um sich herum Einfluss nehmen könnte, wenn es denn mächtig genug würde. Daher auch der Name: Inframaterialismus.
- Genau! Doch das war noch nicht alles. Nilsen spekulierte ferner, dass dieses Plasma auf die materielle Realität um sich herum Einfluss nehmen könnte, wenn es denn mächtig genug würde. Daher auch der Name: Inframaterialismus.
Aufbauend auf Nilsens grundlegender Annahme kamen diese Theoretiker zu einem aufsehenerregenden Schluss: dass ein ausreichend revolutionärer Staat gewisse extraphysische Wirkungen auslösen könnte, abhängig von der von seinen Bürgern generierten Plasmamenge.
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Diese Leute behaupten also, wenn nur genug Personen an den Kommunismus glauben, dann … wird er Realität?
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- Aufbauend auf Nilsens grundlegender Annahme kamen diese Theoretiker zu einem aufsehenerregenden Schluss: dass ein ausreichend revolutionärer Staat gewisse extraphysische Wirkungen auslösen könnte, abhängig von der von seinen Bürgern generierten Plasmamenge.
- So ist es. Obwohl gewisse Aspekte der Theorie meist Nilsen zugeschrieben werden, war die Evidenzbasis für diese Zuschreibungen immer ein strittiger Punkt für beide Lager, sowohl für die Inframaterialisten als auch ihre Kritiker.
Die eigentliche Theorie ist äußerst komplex, aber für die Zwecke dieser ‚Kurzen Einführung‘(TM) ist das eine gute Arbeitsdefinition des Konzepts.
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Das liegt daran, dass es absoluter Schwachsinn ist. Es lohnt sich nicht einmal, sich damit auseinanderzusetzen.
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- Bitte gib nicht auf. Ansonsten können wir dir noch „Eine kurze Einführung in Worte und Konzepte“ ans Herz legen.
- Tatsächlich haben viele Kritiker des Inframaterialismus, sowohl in der kommunistischen Bewegung als auch außerhalb, das Gleiche gesagt.
- Die eigentliche Theorie ist äußerst komplex, aber für die Zwecke dieser ‚Kurzen Einführung‘(TM) ist das eine gute Arbeitsdefinition des Konzepts.
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Inframaterialisten unterteilen die extraphysischen Wirkungen des revolutionären Staates je nach der Plasmastufe, die benötigt wird, um sie auszulösen.
Auf der niedrigsten oder ersten Stufe soll revolutionäres Plasma Materie stimulieren oder stärken, ohne deren grundlegende Eigenschaften zu verändern.
Korrekt. Wobei Plasma nicht nur den Gemüseertrag steigert. Es kann auch die Physiologie von Revolutionären beeinflussen.
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Es wurde auch postuliert, dass Plasma der Grund für die ansehnliche und maskuline Gesichtsbehaarung sei, die bei manchen männlichen Kommunisten zu beobachten ist.
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Als du dein nacktes Kinn berührst, ist deine Hand von kaltem Schweiß bedeckt. Du wischst sie an der Rückseite des Buches ab und liest weiter …
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Natürlich argumentieren Inframaterialisten, dass revolutionäres Plasma sich auch anderweitig auf die menschliche Physiologie auswirken kann.
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Richtig! Laut Berichten aus Revolutionszeiten waren die radikalsten Kommunarden dazu in der Lage, bis zu jeweils acht Stunden energischen Verkehr zu haben.
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Acht Stunden, hm? Klingt machbar. Deine Gerätschaft würde das durchhalten, wenn es dazu käme …
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- Richtig! Laut Berichten aus Revolutionszeiten waren die radikalsten Kommunarden dazu in der Lage, bis zu jeweils acht Stunden energischen Verkehr zu haben.
- Tatsächlich waren laut Berichten aus Revolutionszeiten die radikalsten Kommunarden dazu in der Lage, bis zu jeweils acht Stunden energischen Geschlechtsverkehr zu haben.
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Kein Wunder, dass die Kommunarden nicht besonders gut im Zielen waren – die waren erschöpft von der ganzen Fickerei!
Hyperertragreiches Gemüse und ultrageile Kommunarden sind ja schön und gut, aber für deinen Geschmack war diese Theorie noch nicht seltsam genug.
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Sexuelle Euphorie … gesteigerte Empfänglichkeit für Stimulation … Wenn du es nicht besser wissen würdest, würdest du sagen, dass dieses Plasmading wie ein Amphetaminrausch klingt.
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Und damit glaubst du, das grundlegende Prinzip des Inframaterialismus verstanden zu haben. Zumindest genug, um dich etwas darüber zu unterhalten. Aber wenn du noch tiefer in die spekulativeren Aspekte der Theorie abtauchen möchtest, könntest du auch weiterlesen …
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Das Buch passt genau in deine Handfläche. Auch in einer Jackentasche fände es bequem Platz.
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Tatsächlich waren laut Berichten aus Revolutionszeiten die radikalsten Kommunarden dazu in der Lage, bis zu jeweils acht Stunden energischen Geschlechtsverkehr zu haben.
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Es wurde auch postuliert, dass Plasma der Grund für die ansehnliche und maskuline Gesichtsbehaarung ist, die bei vielen männlichen Kommunisten zu beobachten ist.
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Nimm dieses Beispiel: Während der Zeit der Revolution berichteten viele Bauern unter den Kommunarden in Graad von Rekorderträgen bestimmter Wurzelgemüsesorten, allen voran der Rüben.
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Die Diskrepanz zu herkömmlichen Ernteerträgen war zu auffällig, als dass man sie allein auf das Klima oder die Bodenbeschaffenheit hätte zurückführen können. Die einzig einleuchtende Erklärung, behaupten die Inframaterialisten, sei die große Menge an revolutionärem Plasma, die von der Kommune generiert würde.
Noch heute gibt es in der SVR Kolchosen, deren Ernteerträge von Wurzelgemüsen höher sind, als es von kapitalistischen Agrarwissenschaftlern für möglich gehalten wurde.
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Vielleicht verschleiern die Bauern einfach nur die Bilanz? Klingt nach typischer SRV-Propaganda.
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Wahrscheinlich stimmt an der Theorie etwas nicht, aber du bist jemand, der alles glaubt, was er in einem Buch liest. Also, warum akzeptierst du sie nicht einfach?
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- Aufbauend auf Nilsens grundlegender Annahme kamen diese Theoretiker zu einem aufsehenerregenden Schluss: dass ein ausreichend revolutionärer Staat gewisse extraphysische Wirkungen auslösen könnte, abhängig von der von seinen Bürgern generierten Plasmamenge.
- So ist es. Obwohl gewisse Aspekte der Theorie meist Nilsen zugeschrieben werden, war die Evidenzbasis für diese Zuschreibungen immer ein strittiger Punkt für beide Lager, sowohl für die Inframaterialisten als auch ihre Kritiker.
Bitte gib nicht auf. Ansonsten können wir dir noch „Eine kurze Einführung in Worte und Konzepte“ ans Herz legen.
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- Aufbauend auf Nilsens grundlegender Annahme kamen diese Theoretiker zu einem aufsehenerregenden Schluss: dass ein ausreichend revolutionärer Staat gewisse extraphysische Wirkungen auslösen könnte, abhängig von der von seinen Bürgern generierten Plasmamenge.
- So ist es. Obwohl gewisse Aspekte der Theorie meist Nilsen zugeschrieben werden, war die Evidenzbasis für diese Zuschreibungen immer ein strittiger Punkt für beide Lager, sowohl für die Inframaterialisten als auch ihre Kritiker.
Tatsächlich haben viele Kritiker des Inframaterialismus, sowohl in der kommunistischen Bewegung als auch außerhalb, das Gleiche gesagt.
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So ist es. Obwohl gewisse Aspekte der Theorie meist Nilsen zugeschrieben werden, war die Evidenzbasis für diese Zuschreibungen immer ein strittiger Punkt für beide Lager, sowohl für die Inframaterialisten als auch ihre Kritiker.
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Natürlich. Im Grunde argumentiert Nilsen, dass Gedanken sich nicht einfach nur im Gehirn befinden, sondern vom Gehirn ausströmen. Seiner Theorie zufolge ist das Gehirn ein ideologischer Transponder, der unaufhörlich Wellen hochpolitisierter Energie absondert, welche Nilsen „Plasma“ nannte.