„Eigentlich ist ja Fräulein Beaufort die rechte Hand, auch wenn sie eine Linke ist.“ Er lacht wieder gutmütig.
Gespräch · Lockerer Leo
Sprecher · 17
Wann
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„Eine sehr hübsche Dame. Ihre Haut ist wie die Schokoriegel von ‚Doux & Sucre‘, die meine Frau so mag. An denen kann man so schön herumschlecken, wenn man sich nach dem Essen neben das Rundfunkgerät setzt, wie meine Frau und ich das immer machen.“
„Aber ich kann nicht immer nur Rundfunk hören. Hier gibt es so viel zu tun. Ich habe hier immer alle Hände voll zu tun, damit alles weiterläuft. Jaja, so ist das.“
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„Ja, hier läuft wirklich alles wie geschmiert. Machen Sie weiter so, Leo.“ Der Lieutenant schenkt dem kleinen Mann ein Lächeln.
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„Ach, vielen Dank. Das bedeutet mir wirklich sehr viel, dass Sie das sagen.“ Du hättest es nicht für möglich gehalten, aber sein Lächeln wird sogar noch breiter.
„Manchmal habe ich das Gefühl, dass manche Leute nicht sehen, wie sehr ich mir den Hintern für sie aufreiße. Aber Sie sind schon in Ordnung.“
In Martinaise mag das weiße Rechteck auf deiner Kleidung keine große Bedeutung haben, aber Leo hat es wirklich gefreut, dass er von einer Autoritätsperson Anerkennung erhalten hat.
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„Ja, ich bin mir sicher, dass hier nichts funktionieren würde, wenn Sie nicht die Schuhe vom Boss polieren würden, Leo.“
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Als eure Blicke sich kurz begegnen, siehst du in den dunklen Augen des Lieutenants Verachtung aufblitzen. Es gefällt ihm nicht, dass du dich über diesen kleinen Mann lustig machst.
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„Ach, wissen Sie … Das ist längst nicht alles, was ich mache. Ich kümmere mich um so gut wie alles hier. Herr Evrart hat oft gesagt, dass ich unersetzlich bin.“ Er lächelt immer noch, aber seine Stimme bebt kaum merklich.
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„Ach, Lizzy? Die ist wirklich sehr schlau. Herr Evrart hat sie auf eine feine Schule und so geschickt, östlich vom Fluss. Vier Jahre war sie weg, und als sie zurückkam, war sie ganz fein und rechts-gelehrt.“
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„Aber sie ist ein nettes Mädel, hier in der Nachbarschaft aufgewachsen, kennt alle und kommt mit allen aus. Eines Tages wird sie mal eine echte Stütze der Gemeinschaft sein, da bin ich mir sicher.“
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Er fährt fort: „Wenn meine Frau und ich ein Kind gehabt hätten, hätte ich mich gefreut, wenn das Kind wie sie gewesen wäre … Aber meine Frau kann keine Kinder bekommen.“
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„Das sagt Doktor Lemaître, und die weiß über solche Sachen Bescheid. Ist schon seit fast fünfzig Jahren Ärztin …“ Er seufzt und verstummt, während er dich mit seinen ach so blauen Augen sanftmütig anschaut.
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Jemand mit Jurastudium? Meint er etwa die Problemlöserin der Gewerkschaft, auch genannt die Gärtnerin?
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„Ich weiß nicht genau, was eine Problemlöserin sein soll, aber sie ist ein wirklich nettes Mädel. Und schlau wie ein Fuchs.“ Der kleine Mann schenkt dir ein entwaffnendes Lächeln.
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Wenn du der Gärtnerin zeigst, dass du ihren Namen weißt, könnte sie das aus der Fassung bringen. Das könntest du später vielleicht nutzen …
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Evrart hat also eine Anwältin namens Fräulein Beaufort ausbilden lassen. Interessant.
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„Ach, die meisten Arbeiter sind unten am Tor und verhindern, dass die Streikbrecher reinkommen …“ Er lehnt sich zurück und schenkt dir einen vertraulichen Blick …
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„Wir streiken nämlich – und zwar die ganze Gewerkschaft! Wenn man streikt, muss man nicht arbeiten. Ha. Wir haben jetzt schon seit zwei Monaten nicht mehr gearbeitet.“
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„Natürlich sind nicht alle da unten“, lacht er. „Herr Evrart ist in seinem Büro, wie immer, und Jean-Luc hält Wache am Tor …“ Er überlegt einen Moment.
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„… Aber Titus und seine Jungs waren betrunken und haben sich irgendwelchen Ärger eingehandelt, also hat Evrart sie schön in den Urlaub geschickt. Für eine Woche oder so …“ Er bricht ab, wirkt aber, als ob er dir mehr erzählen wollte.
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„Was haben dieser … Titus und seine Freunde sich denn für Ärger eingehandelt?“
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„Ach … Darüber soll ich eigentlich nicht reden. Das ist eine Gewerkschaftssache.“ Er lächelt und beugt sich vor.
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„Er und seine Jungs haben in der Stadt für Wirbel gesorgt. Haben sicher zu viel getrunken und sich mit jemandem angelegt oder so … Ich habe gehört, wie Herr Evrart sagte, sie bräuchten eine Auszeit …“
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Jetzt verhalte dich diesem einfältigen, netten Mann gegenüber nicht wie ein böser Bulle.
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„Nein, ich glaube nicht, dass sie jemanden umgebracht haben.“ Der kleine Mann weicht vor dir zurück. „Reden wir lieber über was anderes. Titus und seine Jungs leisten gute Arbeit. Ich will nicht, dass sie Ärger bekommen, nur weil sie ein bisschen was getrunken haben …“
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Wahrscheinlich weiß er eh nichts. Welche Person, die bei Verstand ist, würde ihm etwas erzählen?
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„Ich nehme an, dass die Jungs rauflustig waren und Dampf ablassen mussten. Genaues weiß ich nicht. Aber so sind Jungs nun mal …“ Er lacht wieder. „Ich habe schon seit Schulzeiten mit niemandem mehr gekämpft …“
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Sieh ihn dir doch an, der wird eh nichts Nützliches zu sagen haben. Kämpf nicht dagegen an. Spiel einfach mit.
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„Ich weiß noch, ich war der Kleinste in der Klasse.“ Er lacht fröhlich. „Die größeren Jungs haben mich immer gehänselt. Früher war ich nämlich ziemlich aufbrausend und bin immer mir nichts, dir nichts aus der Haut gefahren …“
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„Aber Herr Evrart und sein Bruder sind mir immer zu Hilfe gekommen. Einmal haben sie den alten Noel Becker so verprügelt, dass er am Kopf genäht werden musste …“ Er lacht wieder. „Hinterher hat Noel sich nie wieder mit jemandem angelegt.“
„Herr Evrart und Herr Edgar sind wirklich nette Menschen. Sie sollten sich mit Herrn Evrart unterhalten. Ich bin mir sicher, dass Sie gute Freunde werden. Er ist mit allen Leuten hier befreundet.“ Der kleine Mann fängt an zu husten.
Aus dem wirst du nie etwas Nützliches herausbekommen. Es genügt, dass du jetzt weißt, dass Evrart einen Bruder namens Edgar hat und er Leo zu Hilfe gekommen ist.
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„Rauflustig? Leo, in was für einen Kampf waren sie denn verwickelt? Haben sie einen Söldner getötet?“
Zu spät! Leos Lippen bewegen sich weiter, und immer mehr Worte quellen hervor … Worte, Worte und – wer hätte das gedacht – noch mehr Worte. Dieser Typ könnte bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag reden.