Gespräch · Verlassener Lastwagen
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„Die BMR patrouilliert auf den meisten dieser Betriebsstraßen – aber anscheinend nicht auf allen.“
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„Schwer zu sagen. Das Netzwerk wirkt zwar groß, ist aber dennoch unbestimmt genug … Es verrät nicht viel darüber, welche Besmertie dahinterstecken.“
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„Besmertie sind Revacholer Verbrechersyndikate. Sie betrachten sich als die Erben der vierzehn Revacholer Indostämme – in Wirklichkeit sind es aber nur brutale Banden, die in Revachol-West um die Vorherrschaft kämpfen …“
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„… und coole Namen haben“, sagt er verächtlich. „Wie La Puta Madre und Ahura Mazda. Es ist eine finstere Parodie.“
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„Definitiv nicht die Gewerkschaft. Die wickeln nur einen Teil der Logistik ab. Ganz Jamrock ist in dieses Unternehmen verwickelt. Und wenn es so weitläufig ist, ist Madre der wahrscheinlichste Kandidat.“
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„Und der ist ein Problem.“ Der Lieutenant setzt seine Brille ab und putzt sie mit einem Taschentuch. „Es hat schon mehrere Anläufe gegeben, ernstzunehmende Ermittlungen in die Wege zu leiten, aber die … haben für die Beteiligten kein gutes Ende genommen.“
Man muss es Lieutenant Kitsuragi hoch anrechnen, dass er Madres Namen ausspricht, ohne dabei zusammenzuzucken oder zu flüstern, wie es bei anderen gang und gäbe ist.
Besonders problematisch ist er für Polizisten, in deren Vergangenheit vielleicht etwas passiert ist, von dem sie noch nicht einmal wissen.
Irgendwo auf einem verborgenen Feld zuckt ein Lichtblitz auf, gefolgt von einem surrenden Geräusch. Kameraobjektive sind auf einen Mann in einer schäbigen Polizeiuniform gerichtet, der in einem Feld von blutrotem Mohn steht. Eine verschwommene, in Weiß gekleidete Gestalt steht neben der Kamera …
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Der schmutzverspritzte Polizist hält eine Mistgabel in der Hand. „Tun Sie mir nichts“, wimmert er.
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„Aber warum … warum sollte ich meinem Peone etwas tun?“, fragt der Mann in Weiß. „Welche Bestie wäre zu so etwas fähig?“
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Wenn doch nur Lieutenant Kitsuragi hier wäre, um dir zu helfen, die Beweisstücke zusammenzufügen.
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Du steckst die Karten wieder unter den Sitzbezug. Es ist besser, wenn du vorerst keine Spuren hinterlässt … Die Filmstars sehen dir schweigend zu.
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„Es bedeutet, dass die Schmuggler heimlich die Motorstraße benutzen, um ihre Waren und Materialien zu transportieren. Höchstwahrscheinlich haben sie die Firma East Motor Tract unterwandert …“
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- Der Wind fährt durch die leeren Korridore des einst wichtigen Militärkrankenhauses, jetzt nur noch eine Ruine mit einem verwilderten Park. Unter dem Krankenhaus brummen große Kanalisationstunnel und vibrieren, als wären sie lebendig …
- Das Rattern von Motorwagen und Lastwagen, die durch längst vergessene Tunnel fahren. Erhellt von Gasbeleuchtung.
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Das Rattern von Motorwagen und Lastwagen, die durch längst vergessene Tunnel fahren. Erhellt von Gasbeleuchtung.
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Das sind Filmposter mit Filmsternchen aus längst vergessenen Filmen – aus den zwanziger Jahren, den zehner Jahren und sogar den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts.
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Eins sticht dir besonders ins Auge: eine Doppelseite mit einem naiven Mädchen, die direkt über dem Rücksitz angebracht ist.
Es riecht wirklich nach Parfum. Es ist ein intensiver Duft, mit einem Hauch von Moschus, der durch die bittere Luft in der Kabine weht.
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Die Schauspielerin trägt ein Etuikleid, und eine ihrer Schultern ist entblößt. Auf dem Poster ist noch ein verblasstes Autogramm zu erkennen. Sie sieht an der Kamera vorbei.
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Eine Welle der Zärtlichkeit übermannt dich – vielleicht sogar der Sehnsucht. Eine leise Tragödie.
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Moment. Diese Schauspielerin sieht Klaasje wirklich sehr ähnlich. Vielleicht hatte sie doch recht, was diese Ruby angeht …
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Das ist Tippe Tijonne, ein Filmsternchen vom Anbeginn der Kinematographie. Sie ist nicht so sehr für ihr Talent bekannt – eher für ihren tragischen, frühen Tod.
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Sie ist in einer Drogenhöhle namens „Door To The River“ dahingesiecht – nicht weit von hier, auf der Boogie Street. Eine Mischung aus Kokain und Morphin. Sie hatte Angst vor der Welt. Und vor der Kamera.
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Moment. Erinnert sie dich nicht an … jemanden, den du kennst? Aber du kannst nicht genau sagen, an wen.
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Die Überbleibsel eines warmen Parfums mit Wacholderduft. Wahrscheinlich ‚Granat No. 5‘.
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Die Schauspielerinnen – und vereinzelte Schauspieler – lächeln dir zum Abschied freundlich zu. Ein Sendeempfänger ist am Armaturenbrett befestigt, und unter dem Fahrersitz ist ein Werkzeugkasten verstaut.
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Ein metallenes Schubfach gleitet unter dem Sitz hervor: Bis auf eine zusammengefaltete Zeitung ist es leer.
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Der ausziehbare Werkzeugkasten gleitet zurück in sein Versteck. Alles Übrige ist unverändert: Funkgerät, Poster, der Geruch von Motoröl unter all den Zigaretten.
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Der ausziehbare Werkzeugkasten gleitet zurück in sein Versteck. Der Rest ist wie vorher: Poster, ein Funkgerät, Staub an den Fenstern.
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Es ist eine Ausgabe von „Périphérique“, letzten Mittwoch erschienen. Ein Stück Papier fällt zwischen den Seiten heraus.
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Es handelt sich um einen Artikel, der aus einer Zeitschrift für Funkamateure herausgerissen wurde. Komplexe mathematische Gleichungen erklären die Grundlagen von etwas, das sich das „ULAN-Frequenzsystem“ nennt.
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Diese Formeln wirken seltsam qualvoll. Vielleicht liegt es an deinem Kater, aber von denen bekommst du Kopfschmerzen.
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Wenn man einen guten Sendeempfänger auf diese Frequenz anpasst, könnte er leistungsstark genug sein, um ein Signal von einer Isola zur anderen zu übertragen. Aber sicher kann ich es nicht sagen.
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Der Lieutenant sieht dir über die Schulter, um den Zettel zu betrachten: „Das ULAN-Frequenzsystem? Davon habe ich noch nie gehört. UKW, MW, OIRT kenne ich, aber …“ Er beendet den Gedanken nicht.
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Es dauert ein paar Augenblicke, aber schließlich löst sich der Empfänger mit einem enorm befriedigenden Geräusch von seinem eingefetteten Befestigungssockel.
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Du kannst nicht anders – du musst daran denken, dass ein guter Hinterlader ein ganz ähnliches Geräusch macht.
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Als du den Empfänger nimmst, beißt sich der Lieutenant auf die Unterlippe. Er scheint tief in Gedanken versunken zu sein.
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„Es ist eigentlich kein Witz. Ich finde es nur ironisch, dass Sie das Funkgerät der Fahrerlady benutzen, um genau die Behörden einzuschalten, denen sie unbedingt aus dem Weg gehen wollte.“