Ah, ja, die oft verteufelten Erbsenzähler, die sich in ihren Denkfabriken und Hochhäusern verbergen und der Überzeugung sind, dass sich die Welt mittels einer Reihe schrittweiser, beflissen technokratischer Reformen retten lasse …
Gespräch · Steban, der kommunistische Student
Sprecher · 28
Steban, der kommunistische Student
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Du
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Kim Kitsuragi
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„Siehst du? Du fällst schon auf diese Knappheitslogik herein. Du gehst von vornherein davon aus, dass es nicht genügend Erbsen für alle gäbe, daher willst du natürlich die Erbsenrationen halbieren …“
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„… und ehe man sich’s versieht, gibt es Budgetkürzungen, so dass wir unsere Erbsenrationen schon wieder halbieren müssen …“
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- „Schön wär’s! Die haben alle Erbsen fein säuberlich in ihren Bestandsübersichten, ihren Quartalsbudgets und Voraussagen aufgelistet. Aber aus irgendeinem Grund gibt es niemals genügend Erbsen für alle, weswegen wir einfach unsere Erbsenration halbieren sollen …“
- „Siehst du? Du fällst schon auf diese Knappheitslogik herein. Du gehst von vornherein davon aus, dass es nicht genügend Erbsen für alle gäbe, daher willst du natürlich die Erbsenrationen halbieren …“
„Econoclards geben also vor, Kommunisten zu sein, sind in Wirklichkeit allerdings bloß Liberale, denen bei Tabellen einer abgeht.“
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„Schön wär’s! Die haben alle Erbsen fein säuberlich in ihren Bestandsübersichten, ihren Quartalsbudgets und Voraussagen aufgelistet. Aber aus irgendeinem Grund gibt es niemals genügend Erbsen für alle, weswegen wir einfach unsere Erbsenration halbieren sollen …“
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„Also bitte. An ihrer Erbsenzählliebe ist nichts ‚moderat‘. Wenn ich ein Gottwalder wäre, würde ich bei ihnen wahrscheinlich eine Erbsenneurose diagnostizieren …“
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„Ganz genau. Die Econoclards sind von Erbsen besessen. Sie denken gerne über Erbsen nach, sie zählen gerne Erbsen, aber vor allem erstellen sie liebend gern Modelle, um vorauszusagen, wie viele Erbsen es in der Zukunft geben wird …“
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„Dann bist du kein Econoclard. Aber die Econoclards sind von Erbsen besessen. Sie denken gerne über Erbsen nach, sie zählen gerne Erbsen, aber vor allem erstellen sie liebend gern Modelle, um vorauszusagen, wie viele Erbsen es in der Zukunft geben wird …“
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„Und die Gottwalder? Was ist an denen so schlimm?“
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„Sie sind die deprimierendste kommunistische Schule. Sie schreiben unheimlich gerne lange Bücher mit einem Anstrich masowianischer Theorie, um ihre billige Psychologisiererei zu vertuschen.“
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„Ein Haufen von Möchtegernpsychologen und intellektuellen Fliegengewichten.“ Sein Kompagnon grinst höhnisch. „Mit anderen Worten: typische Gottwalder.“
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„Die gottwaldische Schule glaubt, dass die Intellektuellen als Klasse außerstande seien, revolutionäre Veränderungen anzustoßen. Dass ihnen deshalb nichts übrigbliebe, als den Kapitalismus von innen heraus zu kritisieren …“
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„Daher verbringen sie den lieben langen Tag damit, Zigaretten zu rauchen und lange kritische Werke zu schreiben, nach deren Lektüre man sich umbringen will.“
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„Und wie. Daher begehen sie wohl auch am laufenden Band Selbstmord …“
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„Verstehst du, die gottwaldische Schule erscheint kommunistisch, sie klingt kommunistisch, aber wenn man am Lack kratzt, erkennt man schnell, dass sie nur aus depressiven Liberalen besteht, die zu viele Bücher gelesen haben.“
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- „Ich sehe, dass du ein Mann mit Verlangen bist, aber es ist auch klar, dass du kein Gottwalder bist …“ Er schmunzelt.
- „Eben. Dann bist du auch kein Gottwalder …“
- „Und wie. Daher begehen sie wohl auch am laufenden Band Selbstmord …“
- „Wenn es das wäre, dann würden sie nicht am laufenden Band Selbstmord begehen …“
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„Wenn es das wäre, dann würden sie nicht am laufenden Band Selbstmord begehen …“
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„Meinst du, dass alle Probleme der Welt auf unterdrücktes sexuelles Verlangen zurückgeführt werden können?“
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„Ich sehe, dass du ein Mann mit Verlangen bist, aber es ist auch klar, dass du kein Gottwalder bist …“ Er schmunzelt.
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„Stimmt, genau so würde ich das auch ausdrücken. Und natürlich unterstützen wir ihre radikale, antiliberale Kunst.“
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„Aber sie weigert sich, einen Aufsatz einzureichen. Daher können wir sie strenggenommen nicht als Mitglied dieser Gruppe bezeichnen.“
„Was sie allerdings nicht davon abhält, diesen Raum als Studio zu benutzen.“
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„Klang so, als wäre Maurice mit einigen Aspekten des Inframaterialismus nicht einverstanden.“
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Noch ein Seufzer. „Das ist auch so eine Geschichte. Weißt du, unser ehemaliger Genosse Maurice ist so etwas wie ein Wirtschaftswissenschaftler …“
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„Wow, ein echter Intellektueller, wie es scheint.“ Der Lieutenant zieht die Augenbrauen hoch.
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„So, und vor ein paar Wochen haben wir die extraphysischen Fähigkeiten des Revolutionstaats besprochen. Da hat Maurice gesagt … Wie war nochmal der Wortlaut, Ulixes?“
„Es war unglaublich. Er meinte: ‚Rüben scheren sich nicht darum, ob sie von Kommunisten, Moralisten oder Welkins angebaut werden. Die wachsen immer gleich.‘“
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Einen Moment. Steban … Ulixes … Warum kommen dir diese Namen entfernt bekannt vor?
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Wahrscheinlich, weil sie die bürgerlichen Namen von „Nasteb“ und „Exilus“ sind, den Autoren des sogenannten Essays über die TipTop-Tournée, den du in La Fumée gelesen hast.
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„Im Grunde hat er damit alle Grundannahmen der inframaterialistischen Theorie abgelehnt.“
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„Stimmt schon. Am Anfang kann einem das schnell zu viel werden, aber sobald man die Grundlagen versteht, ist der Rest vergleichsweise intuitiv …“
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„Da stand dann die fundamentale Frage im Raum: ‚Wenn du nicht einmal die Grundgedanken Nilsens und der inframaterialistischen Theorie akzeptierst, was machst du dann in der Lesegruppe?‘“
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„Genau das dachten wir uns auch. Welcher gebildete Mensch würde schon glauben, dass Rüben im Kapitalismus und im Kommunismus gleich gut wachsen?“