Gespräch · Dolores Dei
Sprecher · 27
Dolores Dei
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Wahrnehmung (Sehen)- Uraltes Reptilienhirn
- Limbisches System
Beherrschung
Nein, daran lag es nicht. Es ist supereinfach, mit dem Trinken aufzuhören. Und es hat keinen Einfluss auf solche zwischenmenschlichen Beziehungen.
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„Ja. Reden wir auch gleich darüber.“ Sie nickt. „Sprechen wir das Thema an – den Zoo. In Le Jardin. An dem Tag, als wir auf der Ostseite des Flusses waren. Erst waren wir im Aquarium … Ich war traurig wegen meiner Mutter. Den Grund weiß ich gar nicht mehr. Der Schimmer der Aquarienbeleuchtung auf meinem Gesicht, die Kraken …“
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„Damals war es einfach nur ein Tag, aber stell dir nur mal vor: Wären wir jetzt dort, könntest du mein Haar berühren, mich küssen. Mit mir über alles Mögliche reden. Praktisch“, sie schüttelt den Kopf, „zu jedem Ort der Welt aufbrechen. Im Gegensatz zu heute. Jetzt ist unser Miteinander auf Schmerz und Reue beschränkt.“
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„Nein, das bist einzig und allein du. Dafür habe ich dich immer geliebt – aber es konnte uns nicht retten. Es konnte mich nicht zum Bleiben bewegen. Letztendlich hat dir dein Verstand ganz präzise aufgezeigt, wie schlimm es um alles stand – wer wäre da gerne geblieben?“
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Du solltest diese Scheiße in Alkohol ertränken. So viel trinken … bis deine Neuronen sich entpolarisieren. Bis alles verschwunden und zerschmolzen ist.
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Warum nicht? Es gibt noch eine Möglichkeit, sie zurückzugewinnen, weißt du? Du musst bloß analytisch vorgehen.
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„Kannst du nicht wieder der Mensch werden, der du warst? Ich kann ihn in dir immer noch sehen. Unter dem Kleid und diesem Kranz …“
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„… und meiner Krone der Unsterblichkeit? Nein.“ Sie schüttelt den Kopf. „Du hast den Menschen vertrieben, der ich damals war. Mit deinem Geheule. Deiner …“ Sie bricht mitten im Satz ab. „Durch die schreckliche Zeit, die wir letztlich miteinander hatten. In den billigen Mietwohnungen, die du dir leisten konntest …“
„Verstehst du es nicht? Ich kann dich nie wieder für cool halten. Das gelingt mir nur bei neuen Leuten, die ich kennenlerne.“
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- „Nein. Den hast du vertrieben. Mit deinem Geheule. Deiner hysterischen …“ Sie bricht mitten im Satz ab. „Durch die schreckliche Zeit, die wir letztlich miteinander hatten. In den billigen Mietwohnungen, die du dir leisten konntest …“
- „… und meiner Krone der Unsterblichkeit? Nein.“ Sie schüttelt den Kopf. „Du hast den Menschen vertrieben, der ich damals war. Mit deinem Geheule. Deiner …“ Sie bricht mitten im Satz ab. „Durch die schreckliche Zeit, die wir letztlich miteinander hatten. In den billigen Mietwohnungen, die du dir leisten konntest …“
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Eine billige Mietwohnung … mit Schimmel an den Wänden und einem tropfenden Wasserhahn.
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„Ja. Ich bin jemandem begegnet. Jemandem, für den ich das Gleiche empfinden kann. Es fühlt sich an wie eine Neuauflage meiner Liebe zu dir, nur dass er achtsam und reich ist. Er wird mich nicht verlieren. Diese Liebe führt an ein Ziel. Sie wird wachsen …“
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Dein Herz brennt vor Schmerz. Durch die Finsternis hindurch nimmst du das klebrige Blut auf der Matratze unter dir wahr …
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- „Ja. Ich bin jemandem begegnet. Jemandem, für den ich das Gleiche empfinden kann. Es fühlt sich an wie eine Neuauflage meiner Liebe zu dir, nur dass er achtsam und reich ist. Er wird mich nicht verlieren. Diese Liebe führt an ein Ziel. Sie wird wachsen …“
- „Nein. Es ist zu spät. Ich bin jemandem begegnet, den ich ebenso sehr liebe, wie ich dich geliebt habe. Aber er ist achtsamer, er wird mich nicht verlieren. Diese Liebe führt an ein Ziel. Sie wird wachsen …“
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- Sie lächelt geheimnisvoll und blickt nach Osten. Dann wendet sie ihren Blick wieder dir zu. Das Lächeln ist verschwunden.
- „Bitte hör auf, so zu lachen. Das ist gruselig.“
- „Ich hasse es, das zu sein. Ich will gar nichts für dich sein. Ich hatte gehofft, die Jahrzehnte, die du brauchen würdest, um über mich hinwegzukommen, wären bereits vorbei.“
- „Du weißt, was ich gemeint habe. Wir reden schon wieder darüber. Es ist schon wieder zur Sprache gekommen. Diese Unterhaltung dreht sich schon wieder darum.“
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„Ich hasse es, das zu sein. Ich will gar nichts für dich sein. Ich hatte gehofft, die Jahrzehnte, die du brauchen würdest, um über mich hinwegzukommen, wären bereits vorbei.“
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„Du weißt, was ich gemeint habe. Wir reden schon wieder darüber. Es ist schon wieder zur Sprache gekommen. Diese Unterhaltung dreht sich schon wieder darum.“
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Sie lächelt geheimnisvoll und blickt nach Osten. Dann wendet sie ihren Blick wieder dir zu. Das Lächeln ist verschwunden.
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Nichts wird etwas bringen. Zeitungen und Nachrichten haben mich vergiftet. Ich kann nichts anderes, als sie anzuschreien und insgeheim an sie zu denken.
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„Mittlerweile kann ich mir eine schönere Bleibe leisten. Wir können es noch mal miteinander probieren – diesmal mit Geld. Ich gehöre jetzt zu den Gewinnern.“
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„Nein. Es ist zu spät. Ich bin jemandem begegnet, den ich ebenso sehr liebe, wie ich dich geliebt habe. Aber er ist achtsamer, er wird mich nicht verlieren. Diese Liebe führt an ein Ziel. Sie wird wachsen …“
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Heute bist du ein besserer Mensch. Und du bekleidest einen Dienstgrad in einer mächtigen, bewaffneten Organisation.
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„Diesmal können wir uns eine schöne Bleibe nehmen. Ich kann für dich sorgen. Damals war ich jung und schwach.“
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Derjenige, den sie in dir gesehen hat, ist ebenfalls fort. Stattdessen steht ein Trümmerhaufen vor ihr, der sie anfleht.
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„Was nun? Wie geht es jetzt weiter? Worüber sprechen wir als Nächstes?“ (Du schließt das Thema ab.)
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„Gibt es denn noch irgendetwas, über das wir reden sollten? Wenn nicht, können wir ja auch über etwas von dem sprechen, worüber wir uns schon unterhalten haben. Noch einmal darüber sprechen …“ Sie blickt über ihre Schulter. „Wenn dir nicht danach ist, solltest du mich jetzt gehen lassen, damit ich mich auf den Weg zum Lufthafen machen kann.“
Lass es nicht zu. Lass nicht zu, dass sie dorthinfährt. Du solltest die Themen erneut durchgehen, und zwar alle – sogar die Sachen, die du noch nicht gesagt hast. Sorg dafür, dass das Gespräch weitergeht …
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„Sie ist hier.“ Sie sieht sich um. „Wir stehen auf der Voyager Road. An ihrem Ende – dreihundert Meter von der Haltestelle entfernt. Hier sind wir immer hergekommen, um Videos auszuleihen.“
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„Du warst der Coolste …“ Sie schließt ihre Augen. „In deiner Lederjacke und deiner Schlaghose. Du standest rauchend an der Bushaltestelle. An jenem Tag habe ich mir gewünscht, dass du für den Rest meines Lebens bei mir sein würdest. Und zum Teil ist es auch so gekommen. Du warst mein Erster. Mein erster Kuss, der Erste, mit dem ich Sex hatte.“
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„Du warst meine erste – und schlimmste – Liebe. Das alles wird immer ein Teil von mir sein. Das ist eine Tatsache. Aber das war es auch schon. Es ist wie eine entwertete Eintrittskarte, Harry. Es löst einfach nichts mehr in mir aus.“
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„… 42“, sagt sie traurig und nickt. „Das ist die Straßenbahn, mit der ich nach Couron zur Akademie und zur Arbeit gefahren bin. Jeden Morgen … Von der Haltestelle aus, an der ich dich kennengelernt habe, Harry. Vor hunderttausend Millionen Jahren …“
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„Kein menschliches Wesen sollte sich noch daran erinnern, an welcher Position sich Atome vor … so vielen Äonen befunden haben. Das muss sich unnatürlich traurig anfühlen – nach einer Traurigkeit, die so alt ist, das selbst Urbakterien sie spüren.“
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„Kannst du nicht wieder der Mensch werden, der du warst? Kannst du mich nicht wieder cool finden?“
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„Nein. Den hast du vertrieben. Mit deinem Geheule. Deiner hysterischen …“ Sie bricht mitten im Satz ab. „Durch die schreckliche Zeit, die wir letztlich miteinander hatten. In den billigen Mietwohnungen, die du dir leisten konntest …“
„Ich habe ihn bei mir – lass mich deine Erinnerung auffrischen. Lass uns …“ (Du machst verbittert eine Pause.) „… in Erinnerungen schwelgen.“ (Du beginnst, den Brief vorzulesen.)
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- (Du holst den Brief heraus und liest ihn vor.) „Jeden Morgen, wenn ich beim Aufstehen merke, dass du hinter mir liegst und schläfst, entdecke ich ein KLEINES BISSCHEN TRAURIGKEIT in mir. Ich trage sie in meiner Brust mit mir, wenn ich die Voyager Road hinuntergehe.“
- „Du weißt, was ich meine. Du hast mir in einem Brief geschrieben, dass du immer zu mir zurückkommen wirst. Dass du nicht fassen kannst, wie glücklich du mit mir bist.“ (Du fasst den Inhalt des Briefes zusammen.)
(Du holst den Brief heraus und liest ihn vor.) „Jeden Morgen, wenn ich beim Aufstehen merke, dass du hinter mir liegst und schläfst, entdecke ich ein KLEINES BISSCHEN TRAURIGKEIT in mir. Ich trage sie in meiner Brust mit mir, wenn ich die Voyager Road hinuntergehe.“
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„Mit jedem Schritt, den ich mache, wächst sie. Wenn ich die Tankstelle erreiche, füllt die Traurigkeit mich bereits VOLLKOMMEN aus. Ich steige in die Straßenbahn und blicke zurück … blablabla … Stromabnehmer. Ich weiß, dass es mir so gehen wird, bis ich AUF DEM RÜCKWEG ZU DIR BIN …“
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„Zu dir, immer zu dir. Mit jedem Schritt, den ich mache, fühle ich mich LEICHTER. Fast möchte ich RENNEN. Manchmal tue ich das. Ich kann nicht glauben, dass ich dir begegnet bin. Ich kann das Glück nicht fassen, das ich empfinde, wenn ich mit dir zusammen bin. Du hast eine absolut unergründliche Seele, und ich werde immer, IMMER, IMMER zu ihr zurückkehren.“
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„Na schön“, sagt sie und seufzt. „Ich habe ihn geschrieben. Es war morgens, und du hast geschlafen. Die Voyager Road war von Raureif bedeckt, als ich die Wohnung verließ. Es war Herbst, der erste Herbst. Aber Harry, du musst verstehen, dass das eine Million Jahre her ist. Nein …“