Gespräch · René Arnoux
Sprecher · 25
Wann
„Pah!“ Seine Augen schweifen über die Bucht. „Damals gab es viele solcher Geschichten. Und auch solcher Männer. Wahre Revacholer, Männer mit Rückgrat.
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„Das stimmt, René, ja …“ Der heitere Mann nickt zustimmend. „Die Männer waren größer, die Mädchen hübscher, und jeder war ein Fascha. Oh, Herr, bitte bring uns diese Zeit zurück, wenn es dir möglich ist!“
„Mit dir will ich das nicht schon wieder diskutieren“, murmelt er durch zusammengebissene Zähne und wendet sich an dich. „Noch weitere Fragen, Officer?“
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Du könntest dir selbst eine Heldengeschichte einfallen lassen – und den alten Soldaten beeindrucken.
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„Weil er ein verfluchter Fatzke war!“, gibt er zornig kund. „Er hatte in der Führungsebene nichts verloren, ach, nicht einmal auf dem Schlachtfeld. Er gehörte bloß zur Familie, das war’s auch schon.“
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„Blaues Blut allein macht einen noch nicht zum Kommandanten. Er war ein dummes Kind, das sich nur für Pferde, Frisuren und Männerwollust interessierte.“ Er spuckt aus. „Siebenhundertzweiundachtzig Königliche Karabiniers sind wegen seiner Inkompetenz gefallen.“
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„Dem guten alten Wachtmeister Bullenzunge hier würde das nicht passieren.“ (Du zeigst auf deinen Kiefer). „Meine Sprechwerkzeuge sind astrein.“
„Aha, ja …“ Er lässt sich nicht ablenken. „Also schnappte ich mir den Scheißkerl und begann zu kriechen, immer weiter, bis die 59. Kavallerie uns aufsammelte.“
„Ich hätte aufgegeben. Lieber abtreten, als mit beschädigten Sprechwerkzeugen weiterzuleben.“ (Du berührst deinen Kiefer.)
„Er hat nicht aufgegeben.“ Ein Schatten der Anerkennung huscht über sein Gesicht. „Ich hievte den Scheißkerl auf meinen Rücken und begann zu kriechen, immer weiter, bis die 59. Kavallerie uns aufsammelte.“
„Also schnappte ich mir den Dämel …“ Er setzt eine strenge Miene auf. „… und begann zu kriechen, immer weiter, bis die 59. Kavallerie uns aufsammelte.“
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„Sicher doch. Aber ich weiß, in welchem Ruf diese Uniform steht. Sie haben sich auch gefragt, ob ich sie fürs Vergewaltigen von Frauen oder Töten von Säuglingen bekommen habe.“
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„Ich weiß nicht, in welchem Ruf … irgendetwas steht. Ich kann mich nicht einmal an den Krieg zurückerinnern.“
„Söhnchen, wir sollten niemals unsere Vergangenheit vergessen. Damals wurden viele Fehler begangen, aber sie waren auch Lektionen.“ Seine Stimme nimmt einen oberlehrerhaften Ton an.
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„Wenn wir diese Zeiten vergessen, waren die Fehler vergebens. Dann sind all die Leute grundlos gestorben.“
Oha … Hört sich an, als wärst du drauf und dran, die Gesprächspforten zu öffnen – dieser Mann wird dir buchstäblich dein Ohr abkauen, wenn du zulässt, dass er in Erinnerungen schwelgt.
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- „Nein. Wir waren die Letzten, die die Säuglingsmörder und Vergewaltiger in Schach gehalten haben, und ich sage Ihnen eines, Söhnchen …“ Sein Blick trifft deinen. „Ohne die Königlichen Karabiniers würde Revachol jetzt womöglich nicht mehr stehen.“
- „Wenn wir diese Zeiten vergessen, waren die Fehler vergebens. Dann sind all die Leute grundlos gestorben.“
- „Ehre ist alles für mich“, sagt er mit unerbittlicher Endgültigkeit.
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„Hört sich nach einer tollen Geschichte an, aber ich würde jetzt gerne über etwas anderes sprechen.“
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„Dachte mir schon, dass Ihnen dafür der Mumm fehlt.“ Er nickt verbissen. „Zumindest ist das bei den Jungspunden heutzutage so. Ich habe mich daran gewöhnt.“
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„Dachte mir schon, dass Ihnen dafür der Mumm fehlt.“ Er nickt verbissen. „Und bei so etwas liege ich für gewöhnlich richtig.“
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„Nein. Wir waren die Letzten, die die Säuglingsmörder und Vergewaltiger in Schach gehalten haben, und ich sage Ihnen eines, Söhnchen …“ Sein Blick trifft deinen. „Ohne die Königlichen Karabiniers würde Revachol jetzt womöglich nicht mehr stehen.“
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Ein gekröntes Haupt vor zwei verschränkten Gewehren. Die Medaille hängt an einem blaugestreiften Dreieck.
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Das ist das Croix de Bravoure, das Kreuz des Mutes. Dieses Kreuz war der höchste Kampforden in der Streitmacht des Suzeräns. Es wurde nur für außergewöhnlichen Heldenmut im Dienste von König Frissel dem Ersten verliehen.
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Du siehst immer noch nichts weiter als einen alten Soldaten, der sich weigert, seine Uniform gegen zivile Kleidung zu tauschen.
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„Kann ich Ihnen sonst irgendwie weiterhelfen, Officer?“, fragt er ungeduldig. „Wir müssen das Spiel noch beenden.“
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Du siehst nur einen Veteranen, der sich weigert, die Vergangenheit und seine alte Uniform ruhenzulassen. Das ist nichts Ungewöhnliches.
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Er bemerkt deinen Blick und nickt. „Dies ist die Uniform der Königlichen Karabiniers im Dienste von Frissel dem Ersten, Guillaume le Lion und zuvor des heldenhaften Königs Filippe des Fünften.“
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„Du nimmst seinen Namen nicht in den Mund, Feigling! Auch wenn er ein Kasper war …“, fügt er hinzu. Er dreht sich wieder zu dir um. „Aber er war unser Kasper, den nur wir verspotten – und betrauern – dürfen.“
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„René, Sie wollten mir erzählen, wofür Ihnen diese Medaillen verliehen wurden. Ich will den Rest der Geschichte hören.“
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„René, die Geschichte von den Medaillen – Drysants Pferd ist Ihnen aufs Knie getreten, und was ist dann passiert?“
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Er wirft einen finsteren Blick auf sie. „Mir ist der alte Name lieber: Insulindische Lilie. Die Mädels schenkten sie den jungen Kadetten, wenn sie ihren Dienst antraten. Sich so eine an die Mütze zu stecken, sollte angeblich Glück bringen.“
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„Ja, früher einmal“, sagt er mit einem Seufzen. „Aber die Kommunarden mochten sie auch gerne. Sie nannten sie Revolutionsblumen, Revolutionsglöckchen …“
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- „Ja, früher einmal“, sagt er mit einem Seufzen. „Aber die Kommunarden mochten sie auch gerne. Sie nannten sie Revolutionsblumen, Revolutionsglöckchen …“
- Er wirft einen finsteren Blick auf sie. „Mir ist der alte Name lieber: Insulindische Lilie. Die Mädels schenkten sie den jungen Kadetten, wenn sie ihren Dienst antraten. Sich so eine an die Mütze zu stecken, sollte angeblich Glück bringen.“
„Wissen Sie was …“ Er verstummt, und das zum Vorschein kommende Lächeln ist wie weggewischt. „Nein, sie haben mir Leid, falsche Hoffnung und Enttäuschung gebracht. Die Revolutionäre haben sie beschmutzt.“
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„Aber es waren nicht die Revolutionäre, die ihre Symbolik für dich beschmutzt haben, nicht wahr?“ Er sieht den alten Soldaten beinahe sanftmütig an. „Sie hat auch mir eine geschenkt, und dein eifersüchtiges kleines Herz konnte das einfach nicht akzeptieren.“
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„Es reicht“, unterbricht er scharf. „Wir können uns darüber ausführlich unterhalten, Gaston, aber nicht, während wir Gesellschaft haben. Also, Officers …?“
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„Es reicht“, unterbricht er scharf. „Wir können uns darüber ausführlich unterhalten, Gaston, aber nicht, während wir Gesellschaft haben. Also, Officer …?“